Rund 250 Läufer gingen gegen Gewalt an Frauen auf die Straße

Lübeck – Dicke Regentropfen und graue Wolken hielten die rund 250 Läufer nicht ab, sich am 9. September auf den Weg durch Lübeck zu machen. Sie liefen, in orange Warnwesten gekleidet und mit Plakaten in der Hand, um auf das Thema Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen. Sie rannten dabei kein Rennen, stattdessen ging es um Spaß an der Bewegung und darum, gemeinsam laufend ein Zeichen zu setzen. Die Botschaft war: Männer zeigen Zivilcourage gegen Gewalt an Frauen. Denn Man(n) kann Gewalt an Frauen beenden.

Schon zum zweiten Mal organisierte das Frauenbüro der Hansestadt Lübeck, der Turn- und Sportbund Lübeck und der Zonta Club Lübeck den Lauf gegen Gewalt an Frauen. Fand er im Vorjahr noch im Rahmen des 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen statt, setzte man nun auf mehr Sichtbarkeit und bessere Temperaturen im September. Liefen im Vorjahr rund 120 Läufer die Strecke durch die Innenstadt, konnten die Organisatoren die Zahlen in diesem Jahr verdoppeln. Auf der Strecke bekamen die Läufer viel Zuspruch. „Manche Passanten sind stehengeblieben und haben geklatscht, als sie unsere Plakate gesehen haben. Auch aus den Autos, die wegen uns warten mussten, bekamen wir Beifall“, sagte eine Läuferin hinterher sichtlich bewegt.

Das Problem ist gewaltig, denn geschlechtsspezifische Gewalt fängt bei Alltagssexismus an und endet in Deutschland fast jeden Tag mit einem Femizid. Gewalt gegen Frauen wird in allen gesellschaftlichen Gruppen und in allen Bereichen des täglichen Lebens ausgeübt. Allein in Lübeck suchten 2025 insgesamt 710 Frauen mit 723 Kindern Schutz vor häuslicher Gewalt in den beiden Lübecker Frauenhäusern. Dazu kamen noch mal 601 Frauen mit 578 Kindern, die abgewiesen wurden, weil einfach kein Platz gab.

Für Elke Sasse, Gleichstellungsbeauftragte der Hansestadt Lübeck, machte in ihrer Rede vor dem Lauf klar, dass Gewalt gegen Frauen kein Frauenproblem ist. „Gewalt gegen Frauen ist kein individuelles, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem. Es braucht insbesondere Männer, die nicht weghören, wenn ein sexistischer Witz gemacht wird, die sich einsetzen für das Recht auf ein gewaltfreies Leben, die sich mit Frauen solidarisieren und sich engagieren für die Gleichstellung der Geschlechter.“

Das sieht auch der Zonta Club Lübeck so, die den Lauf mitorgansiert haben. „Natürlich brauchen wir mehr Schutzräume, Beratung und ausreichend finanzierte Hilfsangebote. Aber vor allem brauchen wir die Männer, die dazu beitragen, Gewalt gegen Frauen zu beenden“, sagt Majka Gerke vom Vorstand des Zonta Clubs Lübeck. Nach rund 35 Minuten liefen die Läufer unter Beifall der Umstehenden wieder durch das Holstentor und wurden vom Bloom-Chor empfangen, der das Rahmenprogramm des Laufes bildete. Auch im kommenden Jahr soll es wieder einen Lauf gegen Gewalt geben.